Einsam ist man weniger allein -

oder als Single wenigstens besser dran.

Die Financial Times sagt über Gillian Flynns Roman „Read it and stay single!“  Ein guter Tipp. Denn diese Geschichte erzählt nicht von der alles überwindenden Liebe, sie inszeniert die Liebe, die Ehe, die Zweisamkeit als bitterböses Spiel um Macht und den psychischen Zweikampf.

– Vanessa-Cher Zimmerer –

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Gone Girl

Like a child, I picture opening her skull, unspooling her brain and sifting through it“, denkt Nick Dunne, während er seiner Frau liebevoll über das Haar streicht.

Nick und Amy Dunne führen als Journalisten ein Highlife. Sie stehen erfolgreich in der Öffentlichkeit und finden zu allem Überfluss auch noch sich – die große Liebe. Sie werden zum Vorzeigepärchen, bis Nick am Schreibblockaden-Syndrom leidet und sich lieber mit den neuesten Laptops und Spielekonsolen die Zeit vertreibt. Die beiden ziehen aufs Land. Die Ehe kriselt.

Dann verschwindet Amy spurlos. Aus ihrem eigenen Haus entführt. Weggewischtes Blut in der Küche, ein zertrümmerter Glastisch im Wohnzimmer. Mehr Anhaltspunkte gibt es nicht. Der Verdacht kommt schnell auf Nick, der seine charmante Art schon lange nicht mehr besitzt und schnell ist er den Medien als kaltblütiger Mörder ausgeliefert.

Doch auch hinter Amys Fassade steckt mehr. Sie ist weder die perfekte Tochter „Amazing Amy“, noch die ermordete Schriftstellerin „Gone Girl“, zu der sie die Medien machen.

Er sagt – Sie sagt! Doch wer sagt die Wahrheit? Gillan Flynn spielt wunderbar mit den Sichtweisen der Protagonisten. Im Film, wie auch im Buch. Die Autorin schrieb das Filmdrehbuch zu „Gone Girl“ selbst (Regie: David Fincher).

Der Zuschauer wird unweigerlich vor eine Zerreißprobe gestellt und muss seine Sympathie mal Amy, mal Nick zugestehen. Die Wendepunkte sind großartig gewählt, sodass die Film-Story (ganz im Gegensatz zum Buch) rasant und spannend bleibt. Langeweile ist ein Fremdwort in David Finchers Inszenierung. Die Geschichte wendet sich um 180 Grad, ändert vollkommen den Plot und folgt beinah einem anderen Genre. Vom Krimi zum Thriller.

Wunderbar getroffen ist auch Ben Afflecks Darstellung von Nick Dunne, der emotionslos in das Geschehen eintritt und das Verschwinden seiner Frau mit wenig Trauer hinnimmt. In Rückblenden erleben wir ihn als charmanten Kerl, in der Gegenwart ist er mysteriös und undurchsichtig. Das Hollywood-Lächeln kann ihm den Buckel runter rutschen – und er spielt nicht den trauernden Ehemann, nur weil die Welt es erwartet.

Horror und Psycho einer modernen Paarbeziehung – wenn auch manchmal etwas unrealistisch, ist „Gone Girl“ eine wunderbare Geschichte über die destruktive Leidenschaft für alle, die nicht an Disneys Illusion der Liebe glauben.

 

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Viel Spaß! Euer Lit. erl – Team!

 

GONE GIRL, USA 2014 – Regie: David Fincher, Buch: Gillian Flynn. Mit: Ben Affleck, Rosamunde Pike, Neil Patrick Harris u.a.

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