Nicht Stolz aufs Vorurteil – Stolz und Vorurteil

Klassiker sind alt und langweilig und viel zu kompliziert geschrieben – so urteilen viele aus Unwissenheit heraus. Es gilt als klassische Literatur (wir meinen hier den ästhetischen Normbegriff, nicht den geschichtlichen Epochenbegriff), was die Gesellschaft übereinkommend über die Zeit verglichen und ausgewählt hat und somit als mustergültig bezeichnet. Jane Austens Stolz & Vorurteil wird Euch von seiner Mustergültigkeit und falschen Vorurteilen überzeugen. 

– Von Ramona Dröst –

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Stolz & Vorurteil – Jane Austen

Ein Buch wie ein sicherer Hafen, der Dich von unserer viel zu schnell laufenden Welt in die von Elisabeth Bennet und Mr. Darcy transportiert. Elisabeth ist klug und scharfsinnig, doch für den gutaussehenden Mr. Darcy spricht vieles gegen eine Beziehung: Ihr geringes Einkommen, der niedere gesellschaftliche Stand und vor allem ihre Familie – die witzige und wunderbar peinliche Mutter, gefolgt von der jüngeren Schwester Lydia, die ungeniert mit Männern in Offiziersuniformen flirtet. Auch für Elisabeth ist Darcy kein tadelloser Traummann. Der eckt mit seiner hochmütigen Art gleich beim ersten Treffen der beiden an: Auf einem Ball weigert sich Mr. Darcy vehement mit Elisabeth zu tanzen – obwohl sie keinen Partner hat. She is tolerable, I suppose, but not handsome enough to tempt me; I am in no humour at present to give consequence to young ladies who are slighted by other men”, erklärt er sich. Natürlich wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass Elisabeth und Darcy ihre Vorurteile ablegen und endlich zueinander finden.

It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife“

Austens Sprachstil ist nie vollkommen ernst. Durch ihre Heldin Elisabeth werden der Humor und die Ironie der Autorin immer wieder sichtbar. Während Elisabeths und Darcys Romanze eine Zuneigung auf den zweiten (beziehungsweise dritten) Blick war, so war die Anziehung zwischen Jane und Mr. Bingley bereits nach ihrem ersten Treffen offensichtlich. Doch Austen spricht nicht nur mit Humor über die verschiedenen Arten der Liebe zwischen zwei Menschen (auch unerfüllte und verbotene Liebe spielen eine große Rolle). Mit ihrem scharfen, oft ironischen Schreibstil spinnt die Autorin eine Kritik ihrer eigenen gesellschaftlichen Sphäre. Vor allem Mrs. Bennet schafft es immer wieder die Leser erröten zu lassen und auch Miss Bingley und Mr. Collins garantieren einige fantastische Momente der Fremdscham.

Stolz und Vorurteil ist ein klug konstruierter Roman mit liebevoll gezeichneten Charakteren. Jeder Satz zeugt von der Scharfsinnigkeit und dem Humor seiner Autorin – ein Ausflug in das (sehr höfliche) England des 19. Jahrhunderts und damit in eine vergangene Welt.

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Viel Spaß! Euer Lit. erl – Team!

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