@utoren im Gespräch:

Interview mit den Festivalorganisatorinnen Frauke Kreis (29) und Vanessa-Cher Zimmerer (26):

Am 22. und 23. April findet Literatur erLeben – Das Laut Lesen Live Festival in Tübingen statt. Kurzgeschichten und Romanauszüge werden von Studenten der Uni Tübingen in mehreren kurzen aufeinanderfolgenden Lesungen multimedial gezeigt. Am 22. April liest Christoph Maria Herbst („Stromberg“) aus der Hitler-Satire „Er ist wieder da“ von Timur Vermes. 

Liebe Frauke, liebe Vanessa, wie entstand die Idee zum Literatur erLeben Festival?

Frauke: Besonders inspirierend war bestimmt das Studio Literatur und Theater, das von Dagmar Leupold geleitet wird. Dort haben wir uns in kleiner Runde getroffen und laufende Romanprojekte besprochen. Da ist uns bewusst geworden, wie viele andere unentdeckte Talente an der Uni sitzen mit Manuskripten, die man wirklich nicht verstecken muss.

Vanessa: So kam uns die Idee den Autorennachwuchs an der Uni zu fördern, damit das Schreibtalent nicht untergeht.

Ihr schreibt beide selbst Romane. Wie geht Ihr an die Schreibarbeit ran? Wo kommt die Kreativität her?

Vanessa: Ich schreibe grundsätzlich nachts. Ich brauche die Schwärze und Stille um mich herum, um in eine Geschichte einzutauchen. Für gewöhnlich arbeite ich auch nicht nach einem Plot, sondern kreiere meine Figuren und arbeite nach der Idee und der Prämisse. Die Geschichte wird dann durch die Figuren ganz von alleine lebendig. Man sollte das Ende im Auge haben, aber alles, was dazwischen passiert, ist auch für mich beim Schreiben ein Abenteuer.

Frauke: Ich schreibe am liebsten in kleinen Cafés. Der umkoordinierte Trubel, die Nähe zu Kaffee … was beim Lesen funktioniert, funktioniert auch beim Schreiben.

Vanessa: Ganz anders ist das beim Drehbuchschreiben. Da arbeitet man von außen nach innen. Erst die Akte, dann die Szenen, dann die Sequenzen.

Frauke: Und wenn die Geschichte von vorne bis hinten steht, dann geht das wirkliche Schreiben erst los!

Ihr schreibt gemeinsam Drehbücher, wie funktioniert das?

Frauke: Sehr gut! (beide lachen) Wir ergänzen uns gut! Was der Eine nicht sieht, sieht der Andere. Zwei Köpfe haben mehr Ideen.

Vanessa: Bisher bauen wir es so auf, dass wir gemeinsam die Geschichte ausdenken und dann schreibt einer die erste Hälfte des Drehbuchs und der Andere die zweite Hälfte. Aber wir gucken gemeinsam über alles und diskutieren viel über die Figuren.

Frauke: Die Drehbuchseminare bei Herrn Kölsch, der Produzent für großartige deutsche Filme ist, –

Vanessa: … und nebenbei auch unser Projektberater bei Literatur erLeben … 

Frauke: – hat uns sehr geholfen. 

Wie lange schreibt Ihr an einem Roman?

Vanessa: Ganz unterschiedlich! Ca. ein halbes Jahr Schreibarbeit, plus die Geschichte vorher im Kopf verankern und das mehrmalige Überarbeiten der ersten Fassung … das kann schon mal auf ein bis zwei Jahre kommen.

Frauke: Ich glaube, die Zeit, bis ich mich tatsächlich an die Umsetzung einer Idee setze, dauert immer noch am längsten.

Habt Ihr Tipps bei einer Schreibblockade?

Frauke: Nicht schreiben! (lacht) Irgendwann werden deine Figuren so penetrant nach der Fortsetzung fordern, dass du sie nicht mehr allein im Regen stehen lassen kannst!

Vanessa: Cool bleiben und durchatmen! Sie geht vorüber! Solange die Geschichte immer im Hinterkopf bleibt, kommen die Ideen von alleine. Mir kam sogar mal eine ganze Romanidee, als ich im Düsseldorfer Schauspielhaus in einem Solo-Stück saß und mich so sehr langweilte, dass ich mir einen Satz des Schauspielers als Aufhänger nahm und während der nächsten Stunde eine Geschichte daraus bastelte. 

Was lest Ihr selbst gerne?

Vanessa: Früher las ich fast ausschließlich Klassiker, besonders A.C. Doyle und Jules Verne. Aber ich gehe nicht unbedingt nach Autoren, sondern nach Geschichten. Obwohl, momentan lese ich viel Stephen King, der brillante Geschichten erzählt.

Frauke: Am liebsten Geschichten, die mich innerlich berühren. Bei Khaled Hosseini’s “A Thousand Splendid Suns” saß ich heulend im Sessel … er schreibt Figuren, die ich gerne in den Arm nehmen und trösten möchte.

Wie entstand die Idee dem Festival einen Charity-Hintergrund zu geben und alle Erlöse an die Whale & Dolphin Organisation zu spenden?

Frauke: Die entstand aus der Dokumentation “Die Bucht”, die das grausame Delfinschlachten in Japan thematisiert. Wenn man diese Bilder sieht, kann man nicht mehr anders: Man muss etwas tun! Wir haben uns über den Film unterhalten und ziemlich schnell war klar, Bunte Lesungen organisieren ist schön und gut, aber es soll noch mehr hängen bleiben, als Worte. Der WDC setzt sich schon lange für den Schutz unserer Ozeane ein und wir möchten einfach unseren kleinen Beitrag dazu leisten.

Euch wurden Texte von Studenten eingesandt. Ihr habt alle selbst lektoriert. Was waren die häufigsten Fehler und was habt Ihr für Tipps an alle, die schreiben wollen?

Vanessa: Spart Adjektive!!! Niemanden interessiert das Aussehen der süßen, rötlich schimmernden, glänzenden, kleinen Beeren. Wir wollen sehen, wie sie das Mädchen vergiften, die sie isst!

Frauke: … und wie sie unter Krämpfen zusammenbricht!

Was wird die Zukunft für Literatur erLeben bringen?

Frauke: Es wäre schön, das Festival in Tübingen zu etablieren, aber da wollen wir bisher noch gar nicht so weit vorgreifen.

Vanessa: Genau, erstmal muss die Premiere gut auf die Bühne gebracht werden! Dann sehen wir weiter!

Vielen Dank ihr zwei!

Ich freue mich aufs Festival!

– Constanze Peltzer -

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *